Zwischen März 1900 und November 1901 wurden unter dem Pseudonym Kaisertreu in der österreichischen Militärwochenzeitung Danzers Armee-Zeitung eine Reihe von Aufsätzen veröffentlicht, die sich mit verschiedenen Fragestellungen bezüglich der Truppeneinführung automatischer Handfeuerwaffen sowie deren Klassifizierung befassten.
Ihr Autor und Carl Danzer, der Herausgeber der Zeitung, stellten diese Einzelaufsätze später zu einem Gesamtwerk unter dem Titel Die principiellen Eigenschaften der automatische Feuerwaffen - Eine Studie über die neuesten Errungenschaften der Waffentechnik für Officiere aller Waffen zusammen.
Eine zeitgenössischen Rezension (Kriegstechnische Zeitschrift 5, 1902) hierzu:
"Die Ursache, warum der Verfasser sich eines Decknamens bedient hat, dürfte darin zu suchen sein, dass die Mehrzahl der interessanten Aufsätze in der bekannten Danzers »Armee-Zeitung« erschienen ist; nichtsdestoweniger ist die Schrift äusserst lehrreich, zumal sie eine für alle Heere gleich wichtige Frage behandelt. Wenn wir auch noch weit entfernt von der Einführung eines selbstthätigen Infanteriegewehrs sind, während die Selbstladepistolen sich bereits ihren Platz erobert und den Revolver endgiltig verdrängt haben, so sind doch bemerkenswerthe Konstruktionen solcher Gewehre vorhanden, von denen jedoch hier nur einzelne vorgeführt werden.
Besonders bevorzugt werden die österreichischen Konstruktionen, und bei den Maschinengewehren (Mitrailleusen) wird nur das System Roth vorgeführt, wogegen Hotchkiss und Maxim gänzlich unberücksichtigt geblieben sind. Bei den Selbstladepistolen ist wohl Browning, aber nicht auch Colt-Browning erwähnt, welcher auch den vom Verfasser bevorzugten Hahn als Schlagmechanismus besitzt; der Mechanismus mit dem Schlagbolzen ist aber ohne Zweifel vorzuziehen und die Bevorzugung des Hahnes wird sich durch praktische Gründe kaum erhärten lassen.
Was wir in unserer Zeitschrift schon im ersten Jahrgang 1898 über Revolver und Selbstladepistole gesagt haben, wird vom Verfasser in vollem Umfange bestätigt; der Revolver hat sich überlebt, und wenn er zur Zeit in Russland auch neuerdings mit der Konstruktion von Smith-Wesson eingeführt wurde, so wird er auch hier nur ein Gnadendasein fristen, wie der Revolver bei uns sich bereits eines solchen erfreut und auf dem Aussterbeetat steht. Die Annahme der Selbstladepistole ist entschieden, aber mit einem Selbstladegewehr scheint es noch gute Wege zu haben.
Wer sich über die einschlägigen Verhältnisse im Anschluss an unsere vielfachen Aufsätze über Waffentechnik unterrichten will, wird in der Schrift ein werthvolles Hilfsmittel finden; es wäre zu wünschen, wenn »Kaisertreu« in einem weiteren Bande Einiges über die unberücksichtigt gebliebenen Systeme nachholte."
Karel Krnka, Entwickler von Schnellfeuerwaffen,
Portraitzeichnung von Jan Vilímek,
Quelle: krnka.cz
Hinsichtlich der Verwendung des Pseudonyms liegt der Rezensent nur bedingt richtig.
Dem aufmerksamen Leser dürfte bereits während der Lektüre die klare Präferenz auffallen, die Kaisertreu allen Systemen der Georg Roth AG entgegenbringt.
Da verwundert es nicht allzu sehr, dass nur kurze Zeit später Robert Bruno Jentzsch in seiner Gegenschrift Ist Kaisertreu wahrheitstreu? offenlegt, dass es sich bei Kaisertreu eigentlich um Karel (manchmal auch Carl/Karl) Krnka, Ingenieur eben jener Firma handelt.
Dieser Versuch dessen, was man heute wohl als "Schleichwerbung" bezeichnen würde, sollte jedoch nicht davon abhalten, Krnkas Klasseneinteilung in Gasdruck- und Rückstoßlader angemessen zu würdigen.
Es handelt es sich um einen der ersten Versuche, die damals noch jungen automatischen Handfeuerwaffen einer Taxonomie zu unterwerfen - und den ersten Anlauf, eine solche auf naturwissenschaftlich basierten Merkmalen aufzubauen.
Die folgende, vollständig digitalisierte Fassung von Die principiellen Eingeschaften der automatischen Feuerwaffen liegt als PDF-Datei vor, sodass sie hoffentlich bei der Suche nach konkreten Textstellen oder bei Schwierigkeiten mit der Fraktur-Schrift des Originals behilflich sein kann.
Obwohl ich bei der Erfassung des Textes größtmögliche Sorgfalt habe walten lassen, kann ich selbstredend nicht für Fehlerfreiheit garantieren. Die sprachlichen und orthographischen Eigenheiten der damaligen Zeit habe ich versucht beizubehalten, da sie meiner Meinung nach doch erheblich zum Charakter des Werkes beitragen.
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